13.10.2010

21.09.2008
13.09.2008


Geschichte der Ungarndeutschen I

Zuletzt aktualisiert am 07. Nov. 2008

Kurzgeschichte der Deutschen* in Ungarn

nach 800 n. Chr.

(9. Jahrh.)

Fränkische Eroberer verdrängen die Awaren aus dem Karpatenbecken. > Gründung der Ostmark durch Karl d. Gr. > Franken und Bayern gründen Siedlungen im S Transdanubiens. [Siehe dazu den Buchauszug Germanen in Pannonien!]

895

Landnahme der Magyaren > Vernichtung der Ostmark und der deutschen Siedlungen

1000

Gründung des ungarischen Staates > Christianisierung der heidnischen Ungarn > Deutsche Ritter, Priester, Mönche und Bauern werden als Gäste ins Land gerufen. [Siehe dazu Deutschtum im historischen Ungarn , Karte zum gleichen Thema.]

1140

König Geisa II. holt deutsche Siedler nach Siebenbürgen zur Erschließung der menschenleeren Wälder und zum Schutz gegen die einsetzenden Mongolenstürme (1. Ansiedlungswelle).
Sie stammen aus dem Gebiet zwischen Luxemburg, Mosel und Mittelrhein bis zum Niederrhein und Flandern. [Literatur (unten): Längrin, Unvergessene Heimat Siebenbürgen.]

1211

Ansiedlung des – aus dem Heiligen Land vertriebenen – Deutschen Ritterordens im Burzenland/S-Karpaten durch König Andreas II. > Gründung von deutschen Siedlungen (2. Ansiedlungswelle) > Nach Unabhängigkeits-Bestrebungen 1225 vertrieben.

1224

Andreas II. regelt im großen Freiheitsbrief (Andreanum) die Rechte der siebenbürgisch-sächsischen Bevölkerung vom Königsboden. > Privilegien (weitgehend selbständige Gerichtsbarkeit und Verwaltung, Steuern direkt an den König etc.) Errichtung von sieben Städten und 250 Dorfgemeinschaften, Bau der charakteristischen Kirchenburgen.
1241-42 Verwüstung Siebenbürgens durch die Mongolen.
"Den Wiederaufbau des Landes nach dem Tatarensturm nennt man die Zweite Landnahme, weil diese gesellschaftlichen Veränderungen für die spätere Entwicklung wichtig waren. Béla hat das Land neu besiedeln lassen: mit Mähren, Kumanen, deutschen hospes (Gäste) und Rumänen. Er gab seine frühere Politik auf und verschenkte Grundbesitze an seine Anhänger, und zwar unter der Bedingung, daß sie darauf eine Steinburg bauen und eine Armee aufstellen." NZjunior, Nr. 29, 2007

1241/42

Nach den Mongoleneinfällen siedelt König Béla IV. erneut Deutsche an (3. Ansiedlungswelle). Sächsische Bergleute im ungarischen Bergbau

1271

König Stefan V. verleiht den Zipser Sachsen einen ähnlichen Freiheitsbrief wie das Andreanum.

1312

Gründung des Zipser Bundes  zwischen 24 zipser-sächsischen Städten (nach anderen Quellen stammen die ersten diesbezüglichen Daten aus 1344.) Die Zipser-Sachsen strebten nach einer politischen Autonomie wie sie die Siebenbürger Sachen besaßen. Das ist ihnen aber nicht gelungen, sie wurden weiterhin vom Komitat Zips verwaltet.

1324

Aufstand der Siebenbürger Sachsen gegen den König > Niederlage > Sie erreichen ihre Ziele (politische und rechtliche Einheit) erst 1486 mit dem Freiheitsbrief von König Matthias.

1371

König Karl bekräftigte die Privilegien der Zipser Sachsen und zählte die 42 Ortschaften auf, auf die sich die Freiheitsrechte bezogen.

14. Jahrh.

Die Städte erreichen einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung (v. a. in Siebenbürgen und Syrmien): Starke Zunahme der Zünfte; Binnenwanderung der Deutschen in Siebenbürgen (4. Ansiedlungswelle)
In den meisten ungarischen Städten findet man im Mittelalter die Deutschen. Sie spielten beim Ausbau der Städte eine bedeutende Rolle. Sie verbanden ihre diesbezügliche Erfahrung aus der Urheimat mit dem Urbanisierungsprozess in Ungarn.

1402

König Sigismund stattet eine Reihe oberungarischer Städte und Ödenburg mit dem Stapelrecht aus: Wirtschaftlicher Aufschwung im ganzen Land. ; Buda/Ofen – die Hauptstadt des Landes  im Spätmittelalter – zog viele Deutsche an. Das deutschsprachige Rechtbuch der Stadt, das zwischen 1403/1404 - 1421 entstand, legte fest, dass der Richter (Bürgermeister) und Notar (Verwaltungsjurist) ein Deutscher sein muss. In den Stadtrat konnten zehn Deutsche und zwei Ungarn gewählt werden. 

14./15. Jahrh.

Angriffe der Türken auf Ungarn > Verwüstungen der sächsischen Städte in Siebenbürgen > Ausbau der Wehrkirchen > Festungsgürtel mit 300 Wehrkirchen Ende des 15. Jahrhunderts

1486

Erweiterung der Privilegien des Andreanums durch König Matthias > Entstehung der siebenbürgisch-sächsischen Nation > im 16./17. Jahrh. Verbreitung des evangelischen Bekenntnisses unter den Deutschen

Ende des 15. Jahrh.

80-85% der 4-4,5 Mio. Einwohner des Landes sind ungarischer Nationalität (> Ende des 18. Jahrh.)

1526

Verheerende Niederlage (29. August) bei Mohatsch/Mohács gegen die Türken > König Ludwig von Jagello II. stirbt. > Nachfolger Johann von Zápolya (1526-1540) und Ferdinand von Habsburg I. (1526-1564) > Beginn der Habsburger-Herrschaft in Ungarn

1541

Eroberung von Ofen/Buda > Dreiteilung des Landes (Königliches Ungarn wird von den Habsburgern, der mittlere Teil von den Türken, das siebenbürgische Fürstentum als türkisches Lehen von ungarischen Fürsten beherrscht.)

1547

Nach dem 1542/43 in Kronstadt die Reformation beginnt, entsteht 1547 eine evangelische Volkskirche in Siebenbürgen.

1560

Kirchenordnung aller Deutschen in Siebenbürgen > eigene nationale Kirche

1670 – 1687

Verstärkte Gegenreformation > Zipser Sachsen unterstützen die aufständischen ungarischen Fürsten gegen die Habsburger; Die Siebenbürger Sachsen dagegen sympathisieren mit den Habsburgern, weil sie von der Gegenreformation verschont bleiben und ihre Souveränität bewahrt wird.

1683

Niederlage der türkischen Truppen bei Wien [Siehe: Befreiung Ungarns von den Türken (1683–1716)]

1686

2. September: Rückeroberung von Ofen/Buda > Befreiungskriege bis 1699 > erneute Verwüstung Ungarns