{"id":467,"date":"2018-03-28T10:38:01","date_gmt":"2018-03-28T10:38:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ungarndeutsche.de\/wp\/?page_id=467"},"modified":"2018-04-03T16:56:21","modified_gmt":"2018-04-03T16:56:21","slug":"aussiedler-aus-ungarn-in-deutschland","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.ungarndeutsche.de\/wp\/geschichte\/vertreibung-der-ungarndeutschen\/aussiedler-aus-ungarn-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Aussiedler aus Ungarn in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Ende 1950 lebten in Deutschland 185 000 Vertriebene, deren Heimat Ungarn war, davon in der Bundesrepublik 175 000 Personen und in der DDR 50 000. Sie alle wurden zwischen 1946 und 1948 ausgewiesen. Die Vertreibungen begannen im Januar 1946 mit den ersten Eisenbahntransporten aus Wudersch\/Buda\u00f6rs (Komitat Pest) und wurden mit dem letzten Transport aus Lantschok\/L\u00e1nycs\u00f3k (Komitat Branau\/Baranya) im Juni 1948 beendet. Von der Gesamtheit aller aus Ungarn Vertriebenen fanden au\u00dferdem etwa 20 000 Personen in \u00d6sterreich Aufnahme, und ungef\u00e4hr 5000 waren bis Ende 1950 schon nach \u00dcbersee ausgewandert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Tatsachen sind im Allgemeinen bekannt. Weniger bekannt ist, da\u00df auch in den Jahren nach 1950 Ungarndeutsche nach Deutschland kamen, nun mit dem Status Aussiedler. Genehmigungen zur Ausreise von seiten des ungarischen Staates wurden restriktiv gehandhabt, und die Grenzen waren f\u00fcr potenzielle Fl\u00fcchtlinge schwer zu \u00fcberwinden. Hinzu kam, da\u00df der Drang zur Aussiedlung trotz aller Bedr\u00fcckung bei den Ungarndeutschen bei weitem nicht so ausgepr\u00e4gt war wie bei Deutschst\u00e4mmigen aus anderen soziallstisch-kommunistischen L\u00e4ndern. Dazu mag ein ganzes B\u00fcndel von Ursachen beigetragen haben. Als Stichworte seien nur genannt: die sprichw\u00f6rtliche Se\u00dfhaftigkeit und Bodenst\u00e4ndigkeit der meist in D\u00f6rfern lebenden Schwaben; der seit Jahrzehnten wirkende und im Ergebnis nicht erfolglose Assimilationsdruck von seiten der Mehrheitsnation, die bis auf wenige Ausnahmen siedlungsgeographische Zersplitterung, welche die Herausbildung eines Bewu\u00dftseins der Zusammengeh\u00f6rigkeit bei den Ungarndeutschen erheblich behinderte. Nicht zu vergessen sei auch die allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Besserung in den 70er und 80er Jahren, von der auch die Ungarndeutschen profitieren konnten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dennoch kamen in den 15 Jahren von 1951 bis 1964 insgesamt 5950 Aussiedler, die dann in der Bundesrepublik in der Regel die Anerkennung als Vertriebene erhielten. Einen gewissen H\u00f6hepunkt brachte die Fluchtbewegung nach dem Ungarnaufstand vom Oktober 1956, die auch zahlreiche ungarndeutsche und haupts\u00e4chlich j\u00fcngere Personen nach Deutschland f\u00fchrte. Allein in den beiden Jahren 1957 und 1958 waren es zusammen fast 3400 Personen, die als Aussiedler registriert wurden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In den folgenden 15 Jahren von 1965 bis 1979 kamen 6100 Aussiedler aus Ungarn, von 1980 bis 1999 waren es noch einmal 9424 Personen. In diesem Zeitraum brachte der Fall des \u00bbEisernen Vorhanges\u00ab und die \u00d6ffnung der Staatsgrenzen erneut einen H\u00f6hepunkt der Zuwanderung von Aussiedlern und zwar 1989 und 1990. Allein in diesen beiden Jahren kamen mehr als 3 700 Personen nach Deutschland. Mit dem Zustrom von Donauschwaben oder Siebenb\u00fcrger Sachsen aus Rum\u00e4nien in diesen Jahren ist freilich diese relativ kleine Zahl nicht zu vergleichen. So zogen z. B. allein im Jahr 1990 mehr als 110 000 Aussiedler aus Rum\u00e4nien nach Deutschland.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seit 1993 geht die Zahl der Aussiedler aus Ungarn rapide zur\u00fcck. Das h\u00e4ngt sicherlich auch damit zusammen, da\u00df entsprechend dem Kriegsfolgenbereinigungsgesetz von 1993 der Vertreibungsdruck, also Beeintr\u00e4chtigungen, die aus der Zugeh\u00f6rigkeit zum deutschen Volk resultieren, der vorher pauschal auch f\u00fcr Deutschst\u00e4mmige in Ungarn angenommen wurde, nun individuell nachgewiesen werden mu\u00df. Unter den ungarischen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen, wie sie schon l\u00e4ngerfristig, zumindest aber seit 1989\/1990 herrschen, f\u00e4llt dieser Nachweis verst\u00e4ndlicherweise immer schwerer. So verwundert es nicht, wenn in den beiden letzten Jahren 1998 und 1999 nur noch jeweils vier Personen als nun mehr Sp\u00e4taussiedler aus Ungarn registriert wurden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seit 1950 gelangten also insgesamt knapp 21 400 deutschst\u00e4mmige Aussiedler aus Ungarn nach Deutschland. Die vermutlich sehr wenigen Ungarndeutschen, die bis 1989 im Zuge von Familienzusammenf\u00fchrungen in die DDR zu\u200bgezogen sind in dieser Zahl nicht enthalten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Vergleich zu der gro\u00dfen Zahl von mehr als 4 Millionen Aussiedlern, die seit 1950 bis heute nach Deutschland kamen, machen die Ungarndeutschen mit gut 5% nur einen kleinen Anteil aus. Ihre Eingliederung in die bundesdeutsche Gesellschaft ging unauff\u00e4llig und vergleichsweise problemlos vonstatten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Au\u00dfer den genannten Aussiedlern, die mit der Anerkennung ihres Status deutsche Staatsb\u00fcrger wurden, leben in Deutschland auch zirka 56 000 Ungarn. Hinzu kommen schlie\u00dflich auch noch zahlreiche Personen aus Ungarn, die sich nur zeitweise in Deutschland aufhalten, sei es zur Erwerbst\u00e4tigkeit oder zur Ausbildung und Studium.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die allm\u00e4hliche Ann\u00e4herung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen in Ungarn an die Ma\u00dfst\u00e4be der L\u00e4nder der Europ\u00e4ischen Union wird auch die Lebensumst\u00e4nde der Bewohner ver\u00e4ndern. Sie wird letztlich auch zum Recht auf Freiz\u00fcgigkeit der Menschen innerhalb der Union f\u00fchren. Flucht, Vertreibung, Aussiedlung sollten dann wenigstens in diesem Teil Europas zu Begriffen aus der Vergangenheit geworden sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Emil Magvas<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aus: Unsere Post, April 2000., Nr. 4, S. 5<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende 1950 lebten in Deutschland 185 000 Vertriebene, deren Heimat Ungarn war, davon in der Bundesrepublik 175 000 Personen und in der DDR 50 000. Sie alle wurden zwischen 1946 und 1948 ausgewiesen. 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