Geschichte der Ungarndeutschen II
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Bis Anfang des 18. Jahrh. |
Abnahme der Bevölkerung Ungarns auf 3,5 Mio. > V. a. die ehemals türkisch besetzten Gebiete sind menschenleer. > Veränderung der ethnischen Struktur durch Zuzug von nichtungarischen Siedlern aus dem In- und Ausland. |
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1689 |
Erzbischof Graf L. Kollonich reicht Kaiser Leopold I. (1657-1705) sein Einrichtungswerk des Königreichs Ungarn ein: Erstes habsburgisches Impopulationspatent (Besiedlungspatent) > Aufbau der Verwaltung, Ansiedlung von Deutschen in Ungarn u. a. > Die deutschen Siedler stammen aus S- und SW-Deutschland. Organisatoren der Ansiedlung sind die Hofkammer und Großgrundbesitzer > neue Siedlungsgebiete; [Siehe dazu den Buchauszug Ansiedlung der Ungarndeutschen! Kurz und bündig über die Donauschwaben] |
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18. Jahrh. |
6 neue deutsche Siedlungsgebiete: 1) Transdanubisches Mittelgebirge (Buchenwald/Bakony, Schildgebirge/Vértes, Geretschgebirge/Gerecse, Ofner Bergland/Budai hegység und Donauwinkel-Gebirge/Dunazughegység), 2) Südöstliches Transdanubien (Schwäbische Türkei: Komitate Tolnau/Tolna, Branau/Baranya und Schomodei/Somogy)(Schelitz), 3) Ostungarn (Komitat Sathmar/Szatmár), 4) Slawonien und Syrmien, 5) Die Batschka/Bácska und 6) Das Banat (Karte) |
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1693 |
Aus dem S-Schwarzwald kommen Siedler nach Werischwar/Pilisvörösvár. |
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1694 |
Erste Siedler aus Schwaben kommen nach Dorog bei Gran/Esztergom. |
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1700 |
Grundherr Grassalkovich siedelt Elsässer in Tscholnok/Csolnok bei Dorog an. |
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1702 |
Ansiedlung von Deutschen aus verschiedenen Herkunftsgebieten in Taath/Tát bei Gran. |
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1709 – 1711 |
Ansiedlungsaktion in Ofen, Pesth, Altofen und den benachbarten Dörfern: 54-60% der Kolonisten kommen aus deutschen und österreichischen Provinzen. Rückschlag bei der Neubesiedlung – auch in der Schwäbischen Türkei – durch den Kurutzenkrieg (1704–11). |
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1712 |
Graf Károlyi beginnt Kolonisten aus Oberschwaben (zw. Bodensee und Donau) im Komitat Sathmar/Szatmár anzusiedeln: In 31 Dörfern lassen sich 2 072 Familien mit etwa 10 000 – 11 000 Personen nieder. Unter ihnen sind auch Schweizer, Franken und Badenser. |
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1718 |
Befreiung des Banats von den Türken > habsburgische Militärverwaltung (bis 1778): erster Verwalter ist Graf Mercy > Ausbau einer südlichen Schutzlinie und wirtschaftlicher Wiederaufbau [Literatur (unten): Längrin, Unvergessene Heimat Banat] |
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1719 |
Mercy-Plan für die Ansiedlung des Banats mit deutschen Kolonisten (organisiert durch die Hofkammer: erster Aufschwung 1722 > Aufbau der Dörfer mit staatlicher Finanzierung und Planung durch Ingenieure nach staatlichen Vorgaben > Größe des Bauernhofs: 24 kj Ackerland, 6 kj Wiese, 3 kj Weide, 1 kj Bauplatz + Garten; viele andere Vergünstigungen) |
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10–20-er Jahre des 18. Jahrh. |
Beginn der großen Siedlungsaktion 1722: Besiedlung des Komitats Tolnau/Tolna; Die Siedler müssen mindestens über ein Vermögen von 200 Gulden verfügen, denn sie bekommen zu dieser Zeit nur Land und Baugrundstück. > Im 18. Jahrh. werden in der Schwäbischen Türkei 61 Gemeinden von Deutschen besiedelt. Ansiedlungszeiten in der Tolnau: 1713: Gyönk und Tevel, 1718: Varsád, Tab und Készi, 1719: Kismányok und Felsõnána, 1720: Majos und Tófû |
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1720 |
Die Stadt Ofen/Buda hat 12 000 Einwohner (47% Deutsche, 42% Serben, wenige Ungarn); Fortsetzung der deutschen Ansiedlung im Komitat Komorn-Gran: Somor/Szomor und Schitte/Süttõ |
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1723 |
Landtagsbeschluss von Pressburg/Pozsony schuf die rechtlichen Grundlagen für die Einwanderung: Bauern und Handwerker sollten angesiedelt werden. Aber nach wie vor dominiert die Ansiedlung von Kolonisten durch private Grundherrschaften. |
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1733 – 1750 |
Besiedlung der 11 Esterházy’schen Dörfer im Kreis Totis/Tata mit Kolonisten aus den Bistümern Bamberg, Würzburg, Mainz, Speyer, Trier und Freiburg; starke Zunahme der Deutschen in Ofen und Pesth (s. Tabelle über die Deutschen in Pesth) |
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1755 |
Ansiedlung von Deutschen in Leinwar/Leányvár im Kreis Gran |
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1763 – 1773 |
Zweite deutsche Ansiedlungswelle > Kosten für die Schatzkammer 200 000 Gulden/Jahr > 40 000 deutsche Kolonisten kommen nach Süd-Ungarn (v. a. in die Batschka, ins Banat, auch in die Schwäbische Türkei > unter ihnen Bergleute, Steinbrucharbeiter, Eisen- und Kupferschmiede aus der Zips und Steiermark) |
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1767 |
Anzahl der Deutschen in der Tolnau: ca. 75 000 (13 200 Familien) |
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1768 – 1771 |
Höhepunkt der Ansiedlung: 17 000 Kolonisten aus Lothringen, Trier, dem Elsass, dem Schwarzwald, Baden-Baden, Schwaben, Tirol und der Schweiz siedeln sich in Ungarn an. |
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1773 |
Maria Theresia stoppt die staatliche Finanzierung der Kolonisation; nach 2 – 3 Jahren wird auch die grundherrschaftliche Ansiedlung eingestellt. |
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1778 |
Das Banat kommt – auf Anordnung von Maria Theresia – wieder unter ungarische Verwaltung. > Ungarn dürfen sich jetzt auch ansiedeln. |
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80-er Jahre |
Im Großraum Ofen-Altofen-Pesth und Umgebung leben 55 000 Menschen (65-70% sind deutscher Abstammung). |
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1782 |
21. September: Impopulationspatent von Joseph II. (1780 – 1790): Neuaufnahme der staatlich finanzierten Siedlungsaktion in allen Siedlungsgebieten > Kosten 4,000.000 Gulden (unter Maria Theresia halb soviel) > großzügige Ausstattung der Siedler (Haus, ein Paar Ochsen, 2 Pferde, 1 Kuh, 1 Wagen, Pflug, Egge u. a.) |
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1782 – 1787 |
Dritte Ansiedlungswelle: Der sog. große Schwabenzug > mehr als 7.600 deutsche Familien lassen sich in Ungarn nieder, davon allein 6.000 im Banat. |
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1785 |
Besiedlung des menschenleeren Ortes der Clarissinnen Kirwa/Kirva im Kreis Gran. Bis Juni 1786 treffen die Ansiedler in 4 Gruppen v. a. aus dem Gebiet der oberen Donau und den Stift Fulda ein. Zur gleichen Zeit werden noch die Orte Kier/Németkér (Kom. Tolnau), Berczel (Kom. Pesth), Almasch/Bácsalmás (Batschka) und Kolosch/Neutra besiedelt. |
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1787 |
Von der auf 9,2 Mio. angestiegenen Einwohnerzahl sind 3,4-3,7 Mio. (37-40%) ungarischer Nationalität. (> s. Ende 15. Jahrh.). |
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1790 |
70.000 deutsche Kolonisten leben in Südungarn. > Veränderung der ethnischen Situation |
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Ende des 18. Jahrh. |
Zahl der Deutschen in Ungarn 1,1 Mio. (mit den jiddisch und deutsch sprechenden Juden 1,3 Mio.) |
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1840 |
Von den 9,94 Mio. Einwohnern Ungarns (ohne Siebenbürgen) sind 43,63% Ungarn, 10,25 Deutsche, 16,94 Slowaken, 12,22 Rumänen; von den 1,7 Mio. Siebenbürgen sind 28 % Ungarn, 13,11% Deutsche, 58,49% Rumänen. |
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1848 |
15. März: Sieg der März-Revolution in Pesth > Das deutsche Bürgertum ist teils dafür, teils gegen die Revolution. 11. April: Neue Gesetze (März-Gesetze) > Grundlagen eines modernen bürgerlichen Staates: Volksvertretung, Abschaffung der Leibeigenschaft, alle müssen Steuern zahlen, Pressefreiheit u. a. > Auch für Nichtungarn vorteilhaft, aber es fehlt ein Gesetz zur Gleichberechtigung der Nationalitäten. Im Freiheitskampf 1848/1849 gegen die Habsburger stehen die UD auf der Seite der Ungarn. Sie kämpfen als einfache Soldaten und manche von ihnen gehören der militärischen Führung an. |
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1849 |
28. Juli: Gesetz über die Rechte der Nationalitäten; 13. August: Kapitulation der Ungarn bei Világos vor den zur Hilfe gerufenen Russsen; 6. Oktober: Hinrichtung der 13 Märtyrer von Arad: 5 von ihnen waren einheimische Deutsche, Österreicher bzw. Reichsdeutsche. [Siehe dazu Die Märtyrer von Arad] Die Siebenbürger Sachsen sind - zusammen mit den Rumänen - gegen den Freiheitskampf der Ungarn und unterstützen die Habsburger. Siebenbürgen wird Kronland Österreichs. [Tabelle über die Zusammensetzung der Bevölkerung in Ofen und Pesth] |
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1867 |
Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn (Ausgleichsgesetz XII/18671): Ungarn wird - seit 1526 - wieder unabhängig, bis auf die Verteidigungs- und Außenpolitik sowie deren Finanzierung. Siebenbürgen wieder Kronland Ungarns. Die Führer der Nationalitäten befürchten die Unterdrückung ihrer Völker durch die Österreicher und Ungarn. [Die Intellektuellen der Deutschen in Ungarn] |
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1868 |
Nationalitätengesetz: Ungarn verspricht die Einführung des muttersprachlichen Unterrichts in den Schulen, Gründung von Lehrstühlen für Nationalitätensprachen an den Universitäten. Die Umsetzung ist unzureichend: Die positiven Möglichkeiten bleiben ungenutzt, die negativen dagegen werden voll ausgeschöpft. [Siehe dazu Madjarisierung in Kischludt und den Artikel übers gleiche Thema von Emil Magvas;Tabelle der madjarisierten Familiennamen] Politische Stabilität ermöglicht wirtschaftlichen Aufschwung. > Der verstärkte Arbeitskräftebedarf wird von UD, Slowaken und Juden gedeckt. Hinzu kommen noch deutschsprachige Fachleute aus Österreich, den österreichischen Erbländern und Deutschland. > s. 1890 und 1910; Assimilierung nach 1848 |
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1876 |
Aufhebung der sächsisch-siebenbürgischen Autonomie > Gründung der Sächsischen Volkspartei: Unterstützt die Regierung, um so die Interessen der Siebenbürger Sachsen zu wahren. |
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1880 |
Anzahl der Volksschulen mit deutscher Unterrichtssprache 867 |
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1890 |
55% der Fabrikarbeiter sind Nichtungarn. Zahl der Ungarndeutschen in der Branau |
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Ende des 19. Jahrh. |
Siebenbürgen und Zips verlieren ihre frühere Bedeutung. > Anteil der Deutschen Ende des 19. Jahrh. in W-Ungarn (Burgenland): 65%, der Schwäbischen Türkei: 67%, der Batschka: 44%, Komitat Temesch: 42%, Komitat Torontal: 48%, der Tatra (Zips): 37% und der Fatra: 31%. |


