13.10.2010

21.09.2008
13.09.2008


Geschichte der Ungarndeutschen II

Bis Anfang des 18. Jahrh.

Abnahme der Bevölkerung Ungarns auf 3,5 Mio. > V. a. die ehemals türkisch besetzten Gebiete sind menschenleer. > Veränderung der ethnischen Struktur durch Zuzug von nichtungarischen Siedlern aus dem In- und Ausland.

1689

Erzbischof Graf L. Kollonich reicht Kaiser Leopold I. (1657-1705) sein Einrichtungswerk des Königreichs Ungarn ein: Erstes habsburgisches Impopulationspatent (Besiedlungspatent) > Aufbau der Verwaltung, Ansiedlung von Deutschen in Ungarn u. a. > Die deutschen Siedler stammen aus S- und SW-Deutschland. Organisatoren der Ansiedlung sind die Hofkammer und Großgrundbesitzer > neue Siedlungsgebiete; [Siehe dazu den Buchauszug Ansiedlung der Ungarndeutschen! Kurz und bündig über die Donauschwaben]

18. Jahrh.

6 neue deutsche Siedlungsgebiete: 1) Transdanubisches Mittelgebirge (Buchenwald/Bakony, Schildgebirge/Vértes, Geretschgebirge/Gerecse, Ofner Bergland/Budai hegység und Donauwinkel-Gebirge/Dunazughegység), 2) Südöstliches Transdanubien (Schwäbische Türkei: Komitate Tolnau/Tolna, Branau/Baranya und Schomodei/Somogy)(Schelitz), 3) Ostungarn (Komitat Sathmar/Szatmár), 4) Slawonien und Syrmien, 5) Die Batschka/Bácska und 6) Das Banat (Karte)

1693

Aus dem S-Schwarzwald kommen Siedler nach Werischwar/Pilisvörösvár.

1694

Erste Siedler aus Schwaben kommen nach Dorog bei Gran/Esztergom.

1700

Grundherr Grassalkovich siedelt Elsässer in Tscholnok/Csolnok bei Dorog an.

1702

Ansiedlung von Deutschen aus verschiedenen Herkunftsgebieten in Taath/Tát bei Gran.

1709 – 1711

Ansiedlungsaktion in Ofen, Pesth, Altofen und den benachbarten Dörfern: 54-60% der Kolonisten kommen aus deutschen und österreichischen Provinzen. Rückschlag bei der Neubesiedlung – auch in der Schwäbischen Türkei – durch den Kurutzenkrieg (1704–11). 

1712

Graf Károlyi beginnt Kolonisten aus Oberschwaben (zw. Bodensee und Donau) im Komitat Sathmar/Szatmár anzusiedeln: In 31 Dörfern lassen sich 2 072 Familien mit etwa 10 000 – 11 000 Personen nieder. Unter ihnen sind auch Schweizer, Franken und Badenser.

1718

Befreiung des Banats von den Türken > habsburgische Militärverwaltung (bis 1778): erster Verwalter ist Graf Mercy > Ausbau einer südlichen Schutzlinie und wirtschaftlicher Wiederaufbau [Literatur (unten): Längrin, Unvergessene Heimat Banat]

1719

Mercy-Plan für die Ansiedlung des Banats mit deutschen Kolonisten (organisiert durch die Hofkammer: erster Aufschwung 1722 > Aufbau der Dörfer mit staatlicher Finanzierung und Planung durch Ingenieure nach staatlichen Vorgaben > Größe des Bauernhofs: 24 kj Ackerland, 6 kj Wiese, 3 kj Weide, 1 kj Bauplatz + Garten; viele andere Vergünstigungen)

10–20-er Jahre des 18. Jahrh.

Beginn der großen Siedlungsaktion 1722: Besiedlung des Komitats Tolnau/Tolna; Die Siedler müssen mindestens über ein Vermögen von 200 Gulden verfügen, denn sie bekommen zu dieser Zeit nur Land und Baugrundstück. > Im 18. Jahrh. werden in der Schwäbischen Türkei 61 Gemeinden von Deutschen besiedelt. Ansiedlungszeiten in der Tolnau: 1713: Gyönk und Tevel, 1718: Varsád, Tab und Készi, 1719: Kismányok und Felsõnána, 1720: Majos und Tófû

1720

Die Stadt Ofen/Buda hat 12 000 Einwohner (47% Deutsche, 42% Serben, wenige Ungarn); Fortsetzung der deutschen Ansiedlung im Komitat Komorn-Gran: Somor/Szomor und Schitte/Süttõ

1723

Landtagsbeschluss von Pressburg/Pozsony schuf die rechtlichen Grundlagen für die Einwanderung: Bauern und Handwerker sollten angesiedelt werden. Aber nach wie vor dominiert die Ansiedlung von Kolonisten durch private Grundherrschaften.

1733 – 1750

Besiedlung der 11 Esterházy’schen Dörfer im Kreis Totis/Tata mit Kolonisten aus den Bistümern Bamberg, Würzburg, Mainz, Speyer, Trier und Freiburg; starke Zunahme der Deutschen in Ofen und Pesth (s. Tabelle über die Deutschen in Pesth)

1755

Ansiedlung von Deutschen in Leinwar/Leányvár im Kreis Gran

1763 – 1773

Zweite deutsche Ansiedlungswelle > Kosten für die Schatzkammer 200 000 Gulden/Jahr > 40 000 deutsche Kolonisten kommen nach Süd-Ungarn (v. a. in die Batschka, ins Banat, auch in die Schwäbische Türkei > unter ihnen Bergleute, Steinbrucharbeiter, Eisen- und Kupferschmiede aus der Zips und Steiermark)  

1767

Anzahl der Deutschen in der Tolnau: ca. 75 000 (13 200 Familien)

1768 – 1771

Höhepunkt der Ansiedlung: 17 000 Kolonisten aus Lothringen, Trier, dem Elsass, dem Schwarzwald, Baden-Baden, Schwaben, Tirol und der Schweiz siedeln sich in Ungarn an.

1773

Maria Theresia stoppt die staatliche Finanzierung der Kolonisation; nach 2 – 3 Jahren wird auch die grundherrschaftliche Ansiedlung eingestellt.

1778

Das Banat kommt – auf Anordnung von Maria Theresia – wieder unter ungarische Verwaltung. > Ungarn dürfen sich jetzt auch ansiedeln.

80-er Jahre

Im Großraum Ofen-Altofen-Pesth und Umgebung leben 55 000 Menschen (65-70% sind deutscher Abstammung).

1782

21. September: Impopulationspatent von Joseph II. (1780 – 1790): Neuaufnahme der staatlich finanzierten Siedlungsaktion in allen Siedlungsgebieten > Kosten 4,000.000 Gulden (unter Maria Theresia halb soviel) > großzügige Ausstattung der Siedler (Haus, ein Paar Ochsen, 2 Pferde, 1 Kuh, 1 Wagen, Pflug, Egge u. a.)

1782 – 1787

Dritte Ansiedlungswelle: Der sog. große Schwabenzug > mehr als 7.600 deutsche Familien lassen sich in Ungarn nieder, davon allein 6.000 im Banat.

1785

Besiedlung des menschenleeren Ortes der Clarissinnen Kirwa/Kirva im Kreis Gran. Bis Juni 1786 treffen die Ansiedler in 4 Gruppen v. a. aus dem Gebiet der oberen Donau und den Stift Fulda ein. Zur gleichen Zeit werden noch die Orte Kier/Németkér (Kom. Tolnau), Berczel (Kom. Pesth), Almasch/Bácsalmás (Batschka) und Kolosch/Neutra besiedelt.

1787

Von der auf 9,2 Mio. angestiegenen Einwohnerzahl sind 3,4-3,7 Mio. (37-40%) ungarischer Nationalität. (> s. Ende 15. Jahrh.).

1790

70.000 deutsche Kolonisten leben in Südungarn. > Veränderung der ethnischen Situation

Ende des 18. Jahrh.

Zahl der Deutschen in Ungarn 1,1 Mio. (mit den jiddisch und deutsch sprechenden Juden 1,3 Mio.)

1840

Von den 9,94 Mio. Einwohnern Ungarns (ohne Siebenbürgen) sind 43,63% Ungarn, 10,25 Deutsche, 16,94 Slowaken, 12,22 Rumänen; von den 1,7 Mio. Siebenbürgen sind 28 % Ungarn, 13,11% Deutsche, 58,49% Rumänen.

1848

15. März: Sieg der März-Revolution in Pesth > Das deutsche Bürgertum ist teils dafür, teils gegen die Revolution. 11. April: Neue Gesetze (März-Gesetze) > Grundlagen eines modernen bürgerlichen Staates: Volksvertretung, Abschaffung der Leibeigenschaft, alle müssen Steuern zahlen, Pressefreiheit u. a. > Auch für Nichtungarn vorteilhaft, aber es fehlt ein Gesetz zur Gleichberechtigung der Nationalitäten. Im Freiheitskampf 1848/1849 gegen die Habsburger stehen die UD auf der Seite der Ungarn. Sie kämpfen als einfache Soldaten und manche von ihnen gehören der militärischen Führung an.  

1849

28. Juli: Gesetz über die Rechte der Nationalitäten; 13. August: Kapitulation der Ungarn bei Világos vor den zur Hilfe gerufenen Russsen; 6. Oktober: Hinrichtung der 13 Märtyrer von Arad: 5 von ihnen waren einheimische Deutsche, Österreicher bzw. Reichsdeutsche. [Siehe dazu Die Märtyrer von Arad] Die Siebenbürger Sachsen sind - zusammen mit den Rumänen - gegen den Freiheitskampf der Ungarn und unterstützen die Habsburger. Siebenbürgen wird Kronland Österreichs. [Tabelle über die Zusammensetzung der Bevölkerung in Ofen und Pesth]

1867

Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn (Ausgleichsgesetz XII/18671): Ungarn wird - seit 1526 - wieder unabhängig, bis auf die Verteidigungs- und Außenpolitik sowie deren Finanzierung. Siebenbürgen wieder Kronland Ungarns. Die Führer der Nationalitäten befürchten die Unterdrückung ihrer Völker durch die Österreicher und Ungarn. [Die Intellektuellen der Deutschen in Ungarn]

1868

Nationalitätengesetz: Ungarn verspricht die Einführung des muttersprachlichen Unterrichts in den Schulen, Gründung von Lehrstühlen für Nationalitätensprachen an den Universitäten. Die Umsetzung ist unzureichend: Die positiven Möglichkeiten bleiben ungenutzt, die negativen dagegen werden voll ausgeschöpft. [Siehe dazu  Madjarisierung in Kischludt  und den Artikel übers gleiche Thema von Emil Magvas;Tabelle der madjarisierten Familiennamen] Politische Stabilität ermöglicht wirtschaftlichen Aufschwung. > Der verstärkte Arbeitskräftebedarf wird von UD, Slowaken und Juden gedeckt. Hinzu kommen noch deutschsprachige Fachleute aus Österreich, den österreichischen Erbländern und Deutschland. > s. 1890 und 1910; Assimilierung nach 1848

1876

Aufhebung der sächsisch-siebenbürgischen Autonomie > Gründung der Sächsischen Volkspartei: Unterstützt die Regierung, um so die Interessen der Siebenbürger Sachsen zu wahren.

1880

Anzahl der Volksschulen mit deutscher Unterrichtssprache 867

1890

55% der Fabrikarbeiter sind Nichtungarn. Zahl der Ungarndeutschen in der Branau

Ende des 19. Jahrh.

Siebenbürgen und Zips verlieren ihre frühere Bedeutung. > Anteil der Deutschen Ende des 19. Jahrh. in W-Ungarn (Burgenland): 65%, der Schwäbischen Türkei: 67%, der Batschka: 44%, Komitat Temesch: 42%, Komitat Torontal: 48%, der Tatra (Zips): 37% und der Fatra: 31%.